Jahreslos des CVJM für 2022

"So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat." Epheser 5, 1-2

Der Satz enthält mehrere Aussagen und Aufforderungen. Zum besseren Verständnis hilft es vor allem bei Paulus oft, diese Einzelteile in eine andere Reihenfolge zu bringen. Dann könnte es etwa so aussehen:

1. Wir sind Gottes geliebte Kinder.

Das ist eine Zusage und die gilt zunächst unabhängig von unserem Verhalten. Gott ist Liebe. Das ist sein Wesen. Es ist unveränderbar. Alles, was Gott tut, geschieht aus Liebe, auch wenn wir das manchmal nicht verstehen und kaum glauben können. Das gilt auch in Zeiten von großen persönlichen und weltweiten Krisen. In der Taufe hat Gott uns als sein Eigentum angenommen und das gilt unser ganzes Leben lang. „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes.“ (Römer 8, 39)

2. Auch Christus hat uns geliebt.

Das müsste Paulus eigentlich nicht extra betonen. Jesus Christus ist ja Gottes Sohn und sogar noch mehr. „Ich und der Vater sind eins“, sagt Jesus (Johannes 10, 30). Wie könnte es da anders sein, als dass sein Handeln ebenso stets aus der Liebe heraus geschieht. Das besondere an seiner Liebe ist aber, dass er „sich selbst für uns hingegeben hat als Opfergabe und Schlachtopfer“, wie es in der Fortsetzung von unserem Jahreslos heißt.

3. Wir sollen Gottes Beispiel folgen.

Das heißt doch schlicht, dass unser ganzes Handeln aus Liebe geschehen soll. Aber so einfach ist das ja nicht, denn unser Wesen ist nicht die Liebe sondern die Sünde. Wir können nicht aus eigener Kraft Gottes Beispiel folgen. Aber „der Gott des Friedens schaffe in uns, was ihm gefällt,“ so hieß es vor Kurzem im Lehrtext aus Hebräer 13, 20. So kann es uns zumindest ansatzweise gelingen, wenn Gottes Kraft in uns wirkt. Gott will heute durch uns handeln und dazu will er uns seine Kraft geben. Das heißt dann auch, wir sollen „beten und arbeiten“, wie es die Mönche ausgedrückt haben. Nicht etwa „beten und abwarten, was Gott für uns tut“.

4. Wir sollen in der Liebe leben.

Das klingt recht abstrakt. Aber Jesus hat uns vorgelebt, was es bedeuten kann. Ihm ging es nie um eine möglichst große Zahl von Menschen. Er hat sich immer um den Einzelnen gekümmert, besonders um die Außenseiter, mit denen sonst niemand etwas zu tun haben wollte. Für die hat er sich Zeit genommen. Und er hat sich viel Zeit genommen für das Gespräch mit seinem himmlischen Vater. Daraus hat er die Kraft geschöpft für sein Leben in der Liebe.

Nehmen wir uns doch wieder mehr Zeit für das ganz persönliche Gebet und im Gebet gerade auch für das Hören auf Gottes Stimme. Und werden wir wieder mehr zu Nächsten für die Menschen, die uns begegnen und unsere Hilfe brauchen.

Martin Wimmer

PS: Ich freue mich über Rückmeldungen, Korrekturen, Ergänzungen oder Fragen an info@cvjm-heidenheim.de Stichwort „Jahreslos“.