Jahreslos des CVJM für 2020

"Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen." Psalm 145,18

Psalm 145, aus dem unser Jahreslos stammt, ist überschrieben im Vers 1 mit "Ein Loblied Davids". In 21 Versen führt David Gründe auf, warum Gott immer und täglich zu loben ist. Mit Lob ist es ja so eine Sache. Grundsätzlich freue ich mich, wenn ich für eine gute Eigenschaft oder mein Verhalten gelobt werde. Aber mal ehrlich, wir spüren es schon, ob das Lob ernst gemeint ist oder nur ein "taktisches" Lob ist, das etwas bezwecken soll. Auch kann ich mich über ein Lob von jemand, der mich kaum kennt, und mich kaum beurteilen kann, nur sehr bedingt freuen. Und da soll ich kleines Menschlein, eines von 6 oder 7 Milliarden, Gott, den Planer und Schöpfer des Universums, loben?

Ich glaube der Schlüssel liegt genau in unserem Vers 18. Gott, der Herr im Himmel und auf der Erde, sucht unsere Nähe. Das ist völlig unbegreiflich. Hat Gott nicht genug zu tun mit den Kriegen dieser Zeit, mit unterdrückten Völkern, Hass und Gewalt und mit seiner verfolgten Gemeinde? Es ist und bleibt ein Geheimnis, und es gibt nur eine Erklärung dafür: Gottes Liebe zu seinen Geschöpfen.

Nun steht hier aber doch noch eine Einschränkung. Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen. Und es geht sogar noch weiter: , allen, die ihn ernstlich anrufen. Müssen wir also Gottes Liebe und Zuwendung durch besondere Leistungen verdienen? Das ist es ja gerade nicht! Gott liebt alle Menschen uneingeschränkt. Er will, dass allen Menschen geholfen wird. (1. Timotheus 2, 4). Wenn wir seine Nähe nicht spüren, dann liegt es nicht an ihm sondern an uns selber. Und zum Schluss: Gott erwartet nicht immer nur Lob und Dank sondern er hört auch unsere zaghaften Rufe aus Unsicherheit, Zweifel, Niedergeschlagenheit, ja selbst unsere Klagen.

Martin Wimmer